Die Priorisierung des Brttenertunnels ist richtig, da sich in diesem Verkehrsraum die grossen Bahnprobleme manifestieren: Der Regional-, Fern- und Gterverkehr nutzen dieselben Trassen und buhlen um die besten Zeitslots. In den Hauptverkehrszeiten ist das System aber am Anschlag: Mehr Zge knnen nicht mehr eingefdelt werden, sonst wird der Fahrplan zu instabil wird Dominik Brhwiler, Leiter Verkehrsplanung beim ZVV, in der NZZ am Sonntag vom 9.10.2016 zitiert. SBB und ZVV skizzierten darin die genannte Entlastungslinie fr den Gterverkehr allenfalls mit einem eingleisigen Gubristtunnel.
Man darf einzelne Netzelemente jedoch nicht aus dem gesamten Kontext reissen. Das heutige ausgelastete Bahnnetz lsst sich nur mit einem fein abgestimmten Gesamtkonzept weiter ausbauen. Darin mssen sowohl der Personen- als auch der Gterverkehr angemessen bercksichtigt werden. Um dies zu ermglichen sind neben den grossen Ausbauprojekten auch viele kleinere Ausbauten notwendig. SBB und ZVV haben in jahrelanger Arbeit ein funktionierendes Konzept vorgelegt, dass den Verkehrsprognosen des Gter- und Personenverkehrs im Jahr 2030 gerecht wird. Es bedingt neben kleineren Ausbauten den Bau des Brttenertunnels und das 4. Gleis im Bahnhof Stadelhofen. Falls alle Ausbauwnsche des Gterverkehrs bercksichtigt werden, so ist auch der Bau einer Gterumfahrung Zrich erforderlich. Die meisten Ziele knnen jedoch auch ohne Gterumfahrung erfllt werden. Ein Ausspielen des 4. Gleises im Bahnhof Stadelhofen mit der Gterumfahrung ist fachlich unsinnig. Falls priorisiert werden muss, so ist der Ausbau des Bahnhofs Stadelhofen klar zu bevorzugen. Eine gleichzeitige Erffnung mit dem Brttenertunnel ermglicht die Behebung der meisten Kapazittsengpsse im Horizont 2030.
Diese gehufte hohe Projekt-Priorisierung im Raum Zrich lst natrlich keine Freude aus bei anderen Verkehrsregionen, wenn man auf den schweizweiten Wunschkatalog anschaut. Aber das ist kein Zrcher Egoismus, sondern liegt im Interesse des ganzen Bahnsystems Schweiz, weil das reibungslose Funktionieren zentral ist fr ein zuverlssiges und sicheres Betreiben der Personen- und Gterbahn. Es ist daher dringlich, dass vor weiteren Ausbauschritten nach 2030/35 jetzt ein langfristiges Angebotskonzept erarbeitet wird. Der VV ZH erinnert dazu an seinen Kommentar zur FABI-Abstimmung vor zwei Jahren: Auch bei FABI ist die Gefahr nicht gebannt, das fderalistische Forderungen raum- und verkehrpolitische Anforderungen aushebeln. Der VV Zrich wird sich auch knftig dafr einsetzen, dass sich V-Ausbauten primr an diesen Anforderungen orientieren.