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Bahninfrastrukturen - eine Buchrezension

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Erstellt am 08.03.2021 durch IGV Zrich
Bahninfrastrukturen  eine Buchrezension
Was befrdert Fahrgste mit hohem Komfort, hoher Zuverlssigkeit und hchster Sicherheit sowie Gter effizient bei einem minimalem Platzbedarf? Sie ist zudem seit ber hundert Jahren elektromobil unterwegs, strukturiert den Siedlungsraum und ist fr alle Menschen zugnglich. Es ist die Eisenbahn und deren Rckgrat ist die Bahninfrastruktur mit ihren Gleisen, Brcken, Tunnels und Bahnhfen. Sie rollt seit 200 Jahren auf ihren Stahlgleisen und bietet sich als Mobilittstrgerin der Zukunft geradezu an. Dieser Infrastruktur widmet sich das Buch Bahninfrastrukturen von ETH-Professor Ulrich Weidmann *)
Ein Buch zur richtigen Zeit. In Zeiten wie dieser Pandemie kommen ja auch Zweifel auf, ob wir auf dem richtigen Gleis sind in der Mobilitt. Aber Bahninfrastrukturen haben einen anderen Zeitplan, andere Zeitrume hier wird nicht in Jahren sondern Jahrzehnten gerechnet. Weidmann baut die Struktur logisch auf, vom Planen, bers Entwerfen, Realisieren (Bauen) bis zum Erhalten. Gerade der letzte ist ein zentraler Punkt: Neue Bauwerke einweihen ist das eine kein Politiker lsst sich das entgehen den Strukturerhalt zu erklren etwas anders.Nach der Wende 1989 zeigte sich exemplarisch, wie verschieden Ost- und Westdeutschland mit (Verkehrs)Infrastrukturen umgegangen ist. Aber auch in Italien, Frankreich oder den USA liegt der Unterhalt der Verkehrsinfrastruktur teilweise im Argen. Und bei dieser Modernisierung geht es nicht um Millinchen sondern um hunderte und tausende Milliarden Franken die allein in Europa fr den Erhalt/Ersatz ntig sind und damit auch um ein grosses volkswirtschaftliches Kapital.


Das ber 600-seitige Werk, welches berarbeitete und aktualisierte Vorlesungsunterlagen, Vortrge und Publikationen zusammenfasst, wendet sich primr an Ingenieure, Wissenschafterinnen und Student/-innen. Es soll den Einstieg in die vertiefende Fachliteratur erleichtern. Es gibt jedoch fr interessierte Laien zumindest in den einleitenden Kapiteln bedenkenswerte Gedanken und Ausfhrungen zum Transportmittel Bahn. Eine Grafik zur Entwicklung der europischen Schienennetze im Normal- und Schmalspurbereich ber die 200-Jahre Bahngeschichte veranschaulicht den Wandel im Verkehrswesen.
Im 19. Jahrhundert wurden vor allem Infrastrukturen fr die Normalspur aufgebaut, in der zweiten Hlfte auch die Strassenbahnen in den grossen Stdten. Interessanterweise erlebten die U-Bahnen erst um 1950 einen grossen Bauboom. Mit dem Ausbau der Strasseninfrastruktur in diesen Jahren wurden auf Regional- und Nebenstrecken zunehmend Bahn- und berlandstrassenbahnen durch Busse ersetzt. Im letzten Quartal des 20. Jahrhundert kamen dagegen Trams ausserhalb der Kernstdte auf sogenannte Stadtbahnen. Und Schienen sind bestndige ortsfeste Einrichtungen; sie sind weit mehr als die Fahrbahn fr einen Zug oder ein Tram. Sie bieten eine langfristige Investitionssicherheit und gestalten damit den Siedlungsraum mit.

Interessant sind auch drei Strken des Transportsystems Stahlrad-Stahlschiene, die Weidman in der Einfhrung auffhrt und hier gekrzt aufgelistet sind:
Erstens ist die Bahn das schnellste netzbildungsfhige Landtransportmittel und mit Hochgeschwindigkeitszgen auf Distanzen bis etwa 700 km konkurrenzlos.
Zweitens bieten Bahnsysteme die hchste Befrderungskapazitt pro Verkehrsflche, was vor allem auch in stdtischen Rumen ein grosser Vorteil ist.
Und drittens ist die Bahn extrem effizient bei grsseren Gtermengen ber lange Strecken.
Auch wenn die Bahn heute von digitalen Systemen gesteuert wird, sollten wir nicht vergessen, dass die ICEs, IR, S-Bahnen und Trams letztlich analog/physisch wie die ersten Bahnen vor 200 Jahren unterwegs sind. Und dass die Rollmaterialbeschaffung hnlich wie das Bereitstellen der Infrastruktur eine eher langfristige Angelegenheit ist.

Kurz: Die Eisenbahn bietet sich als Mobilittstrgerin der Zukunft geradezu an. Im 19. Jahrhundert entstanden, vor fünfzig Jahren totgesagt, hat sie im 21. Jahrhundert eine klare Mission, denn eine nachhaltige Welt ist ohne die nachhaltige Bahn undenkbar leistungsfhig, sicher, zuverlssig, umweltfreundlich. postuliert Weidmann im Vorwort zu Recht.
*) Ulrich Weidmann ist ein ehemaliger SBB-Bhnler, promovierter Bauingenieur, Professor fr Verkehrssysteme am Institut fr Verkehrsplanung und Transportsysteme (IVT) und seit 2016 ETH-Vizeprsident.

Das Buch ist im vdf Hochschulverlag und im Buchhandel erhltlich oder als e-book, zur Ausleihe ber die Bibliotheken.

Wer ausserdem weniger technisch dafr musisch etwas zur Bahn erfahren mchte, dem sei der Kunstband Die Eisenbahn in der Kunst von Hugbert Flitner empfohlen. Erschienen im Verlag Ellert&Richter, Hamburg 2020.

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